Ein Beitrag von Werner Hoffmann – Demokrat der Mitte, weil klimafreundliche Mobilität die Zukunft ist – und nicht als Vorwand für fossile Industriepolitik missbraucht werden darf. A) Die IAA 2025 – Bühne der Zukunftsmobilität Die IAA Mobility in München 2025 war ein Schaufenster dessen, was Automobilität künftig sein wird. Noch nie zuvor präsentierten Hersteller eine solche Vielfalt an Elektrofahrzeugen – vom erschwinglichen Kompaktwagen bis hin zum High-End-GT. Die Messehallen waren voll mit Zukunftsvisionen: Nachhaltige Materialien, digitale Steuerungssysteme und Ladeinfrastrukturen, die Reichweitenangst endgültig entkräften sollen. BMW iX3 (Neue Klasse): Bis zu 805 km WLTP-Reichweite, 800-Volt-Architektur, ab 68.900 Euro. Polestar 5 GT: 884 PS, 112-kWh-Batterie, Reichweite ca. 670 km, Preise zwischen 119.900 und 142.900 Euro. Mercedes-Benz GLC 400 4MATIC EQ: 94-kWh-Akku, Reichweite bis 443 Meilen (710 km), Preis 60.000–75.000 USD. VW ID.CROSS Concept: Kompakter SUV, für den europäischen Markt bei 28.000–30.000 Euro angepeilt. Die Botschaft der Industrie: Das Elektroauto ist kein Nischenprodukt mehr – es ist der Kern des Geschäftsmodells der Zukunft. B) Besucher der Messe – Merz und Söder auf Abwegen Doch inmitten der elektrischen Aufbruchstimmung traten zwei prominente Messegäste auf, die nicht so recht ins Bild passten: Friedrich Merz und Markus Söder. Merz warnte vor „Überregulierung“ durch die EU, klagte über angebliche Wettbewerbsnachteile und forderte eine Lockerung bestehender Regeln. Söder ging noch weiter und stellte das beschlossene Verbrenner-Aus 2035 in Frage. Unter dem Schlagwort „Technologieoffenheit“ plädierte er für E-Fuels, Hybridlösungen und Hintertüren für den fossilen Motor. Während sich die internationale Automobilbranche längst in den Wettlauf um die besten Elektroplattformen begeben hat, versuchten die beiden Unionspolitiker, alte Debatten wieder aufleben zu lassen. C) Industrie auf Kurs – Politik auf Rückwärtsgang Die Diskrepanz könnte größer kaum sein. Die Autohersteller investieren Milliarden in die Transformation, weil sie wissen: Wer nicht auf Elektro setzt, verliert in China, den USA und Europa den Anschluss. Merz und Söder hingegen werfen Zweifel auf, wo eigentlich Planungssicherheit gebraucht wird. Statt die Automobilindustrie in ihrem Kurs zu bestätigen, verunsichern sie mit ihren Forderungen nach E-Fuels und Verbrennerverlängerung die Entscheidungsträger in den Konzernzentralen. Die Gefahr: Milliardeninvestitionen könnten ins Stocken geraten, wenn die Politik den Eindruck erweckt, es gäbe noch ein Zurück in die fossile Vergangenheit. Merz und Söder geben keine Sicherheit – sie säen Zweifel. D) Fossile Sponsoren, alte Netzwerke – warum „Technologieoffenheit“ so beliebt ist Warum also halten Merz und Söder so verbissen an der „Technologieoffenheit“ fest? Die Antwort liegt weniger in der Technik als in den Netzwerken und Geldströmen der Union. Direkte Spenden LEAG (Braunkohle) → CDU 2023: 20.000 Euro. BayWa AG (Energie/Tankstellen) → CSU 2023: 13.940 Euro. Quandt/Klatten (BMW-Großaktionäre) → CDU 2013: 690.000 Euro (im Umfeld des CO₂-Regelstreits). Sponsoring & Kampagnen Parteitage wurden regelmäßig von E.ON, RWE, BDEW, „Zukunft Gas“ gesponsert. Sichtbarkeit, Zugänge und Einfluss – ohne dass es als Parteispende in den Rechenschaftsberichten auftaucht. Lobbyorganisationen INSM (finanziert von Gesamtmetall): Kampagnen gegen Verbote, für „Technologieoffenheit“. MIT (Mittelstands- und Wirtschaftsunion): Annahme von Spenden & Sponsoring, u. a. von Mineralöl- und Tankstellenverbänden. Wirtschaftsrat der CDU: Mitgliedschaften von Shell, Wintershall Dea, RWE, E.ON – institutionalisierter Zugang zur Union, offiziell unabhängig von der Partei. All diese Strukturen wirken im Hintergrund – und sie erklären, warum die Union an einem Begriff wie „Technologieoffenheit“ festhält. Nicht weil er der Industrie der Zukunft nützt, sondern weil er fossilen Playern Zeit und Absatzmärkte verschafft. Resümee Die IAA 2025 in München hat unmissverständlich gezeigt: Die Zukunft fährt elektrisch. Doch während die Industrie längst handelt, geben sich Söder und Merz als die letzten Verteidiger des fossilen Motors. Unterstützt werden sie dabei durch Spenden, Sponsoring und Lobbykanäle, die tief in der Öl-, Gas- und Tankstellenbranche verwurzelt sind. Die Union riskiert damit nicht nur den industriellen Anschluss Deutschlands, sondern auch die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Innovationsversprechen. #Deutschland #CSU #Söder #Merz #Lobbyismus #Elektromobilität #IAA2025 Quellen Rechenschaftsbericht CDU 2023: Spende LEAG (20.000 €) Rechenschaftsbericht CSU 2023: Spende BayWa AG (13.940 €) Rechenschaftsbericht CDU 2013: Spenden Quandt/Klatten (690.000 €) – im Umfeld des CO₂-Regelstreits Lobbypedia: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) – Kampagnenfinanzierung durch Gesamtmetall Lobbypedia: Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) – Sponsoring u. a. durch Mineralöl- und Tankstellenverbände Lobbypedia: Wirtschaftsrat der CDU – Mitgliedschaften von Shell, Wintershall Dea, RWE, E.ON Parteitags-Sponsoring: E.ON, RWE, BDEW, „Zukunft Gas“ (diverse CDU-Bundesparteitage) Berichterstattung: CORRECTIV, Spiegel, TAZ (2023–2025) zu Lobby-Netzwerken und klimaschädlichen Subventionen Beitragsnavigation Klimakiller statt Klimaretterin? – Wie Katherina Reiche die Energiewende sabotiert! Welche Motivation hat Putin mit der AfD und BSW in Deutschland zu kooperieren? KI